Allgemein, Erfolg mit Anstand

Anstand: Wunschtraum oder machbar?

Führungskräfte sollten anständig managen. Dies ist nicht nur eine Forderung der Stakeholder – insbesondere nach einigem „unschönen“, publik gewordenen Fehlverhalten – sondern auch eine Notwendigkeit, um den wirtschaftlichen Erfolg langfristig zu sichern. Nicht zuletzt sollten Führungskräfte auch ein Eigeninteresse daran haben, den Anstand eben „nicht auf dem Parkplatz des Firmenwagens zu lassen“: Nicht nur Karrieren können zerstört werden, auch das eigene Wohlbefinden sollte(!) es wert sein, Anstand im Firmenalltag zu beachten.

Unstrittig ist sicherlich, dass die persönliche – durch Erziehung, Ausbildung, soziales Umfeld und etablierte gesellschaftliche informelle Normen etc. geprägte – Haltung einer Führungskraft entscheidenden Einfluss auf deren Verhalten im Unternehmen hat. Nennen wir dies die interne Voraussetzung für werteorientierte Unternehmensführung. So wie Erziehung, Ausbildung und soziales Umfeld in der Prägung der Persönlichkeit einer Führungskraft eigentlich auch externe Beeinflussung bedeuten, sind die Rahmenbedingungen im Unternehmen ebenfalls wichtig (wenn nicht sogar am Wichtigsten) dafür, ob und im welchem Umfang eine Führungskraft werteorientiert führen kann. Gerne werden eben diese Rahmenbedingungen – dies kann auch Wettbewerbsdruck, etc. sein – dafür benutzt, um weniger Anstand zu erklären: „Wenn wir anständig vorangehen, sind wir weg vom Markt“, „Die Konkurrenz (im Ausland) schert sich nicht um Anstand, also können wir dies auch nicht“. Auch der so wichtige Stakeholder, der Kunde, stimmt mit dem Geldbeutel ab: „Für nachhaltige Produkte oder Dienstleistungen mehr bezahlen? Nicht ich.“

Wie wichtig die Rahmenbedingungen des Handels für Führungskräfte sind, illustriert der Fall des ehemaligen VW-Managers Oliver Schmidt. Er wurde von einem amerikanischen Gericht zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Man kann also davon ausgehen, dass er eine schwerwiegende, strafrechtlich relevante Verfehlung begangen hat. Nach dem Urteil und Schuldspruch blieb VW nichts anderes übrig, als Oliver Schmidt fristlos zu entlassen. Dies sieht der Arbeitsvertrag so vor. Aber jetzt kommen die Rahmenbedingungen für Haltung zum Tragen: „VW hatte gar keine andere Wahl, als Schmidt zu kündigen. Ohne Kündigung hätte der Konzern ja quasi zugegeben, dass er sich nicht konform verhalten hat.“(1) Das heißt, selbst wenn Oliver Schmidt auf Anweisung seiner Vorgesetzten gehandelt hätte, wäre er trotzdem das „Bauernopfer“. VW wird einen Prozess um die Kündigungsschutzklage von Oliver Schmidt vermeiden müssen (Aufdeckungsgefahr) – allerdings auch einen Vergleich mit ihm (teilweises Schuldeingeständnis des aktuellen Managements, was wieder den Aufsichtsrat auf den Plan ruft). Und dieses aktuelle Führungsdilemma zeigt noch viel deutlicher, welche nachhaltigen Gefahren aus schlechten Rahmenbedingungen für Anstand resultieren können. Während Oliver Schmidt sich zwangsläufig nur noch um Haltung Gedanken machen kann, hat sein ehemaliger Arbeitgeber einmal mehr zu entscheiden, mit welchem glaubwürdigen Schritt man Haltung und Umfeld in die Waage bringen kann – hoffentlich im positiven Sinn.

(1) http://www.spiegel.de/karriere/volkswagen-hat-die-klage-von-vw-manager-oliver-schmidt-eine-chance-a-1187173.html (Zugriff am 15.01.2018)

Zuerst auf dem Blog www.erfolgmitanstand.de am 19.01.2018 veröffentlicht.

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