Allgemein, Erfolg mit Anstand

Ehrbarkeit geht alle an, oder: Der Politik fehlt noch Business Excellence

Bürgerliches Engagement ist immer noch ein hohes Gut in unserer heutigen Gesellschaft – oder sollte es zumindest sein! Ohne dieses, auch mit finanziellen Mitteln verbundene, Engagement können viele gemeinnützige Projekte nicht realisiert werden. In der Stiftungshauptstadt Deutschlands, Hamburg, ist dies keine neue Erkenntnis. Bürgerliches Engagement kennt viele Formen: Von ehrenamtlichen Aktivitäten über Vereine bis hin zu großen Stiftungen. 2014 haben Kaufleute – die ja oft als unsozial gescholten werden – eine Stiftung gegründet, die es sich zum Ziel gesetzt hat, den Hamburger Fernsehturm, der seit 2001 im „Dornröschen-Schlaf“ verweilt, zu revitalisieren und langfristig zu unterstützen.(1) Das Stiftungskonzept wurde vor Gründung dem Eigentümer des Fernsehturms vorgestellt. Dieser bescheinigte die Tragfähigkeit des Konzeptes. Dieser proof-of concept ist bei Stiftungen besonders wichtig: Gestiftetes Kapital, also eine Schenkung, kann nicht zurückgeholt werden und die Stiftung muss in der Lage sein, nachprüfbar ihren Satzungszweck erfüllen zu können. Auch dieses Wissen um die Besonderheit einer Stiftung ist in Hamburg weit verbreitet.

Die Stiftung wollte nicht nur die Wiedereröffnung des Fernsehturms unterstützen, sondern – gemeinnützig! – allen BürgerInnen den Zugang wieder ermöglichen, auch durch Subvention von Eintrittsgeldern, z.B. für sozial Schwache. Da liegt es nahe, die Politik von Anfang an und bei allen Schritten einzubinden. Eine sechsstellige Summe wurde gestiftet, ein Bauvorbescheid eingeholt, staatliche Fördermittel ausgelotet und sich um einen Investor gekümmert. Und siehe da: „Wiedereröffnung des Hamburger Fernsehturms rückt näher“ (2). Märchen enden in der Regel hier: Und wenn sie nicht die Tugenden des Ehrbaren Kaufmanns vergessen hätten, freuten sich alle Beteiligten noch heute, o.ä.

Seit 500 Jahren gibt es die Versammlung des Ehrbaren Kaufmanns in Hamburg. Bei Geschäften vertraut man sich, besiegelt – sofern heute noch möglich – manches mit Handschlag und hält seine Verträge und Absprachen ein. Kaufleute wissen das – besonders in Hamburg. Die Politik in Hamburg muss dies offenbar noch lernen: Das Projekt „Wiedereröffnung des Telemichels“ wurde, als es durchführungsreif war, von der Politik parteiübergreifend vereinnahmt. Nach dem Motto: „Wenn der Bürger sich freut, hat die Politik alles richtig gemacht.“ Alles? Die Stiftung wurde nach Hause geschickt, da man das Konzept nun angeblich nicht mehr benötigte. Wäre es die Telemichel GmbH als Start-up gewesen, hätte man auch in Hamburg sagen können: Der Businessplan hat nicht funktioniert. Eine Stiftung mit eingezahltem Stiftungskapital dagegen … ach, eigentlich weiß man dies doch in Hamburg! Zu hoffen bleibt, dass sich weder die ehrbaren Stifter in dieser wahren Begebenheit noch zukünftige Stifter zu sehr entmutigt fühlen – in ihrem bürgerlichen Engagement.

Aufgeschrieben aus persönlichen Gesprächen mit den Gründern der Stiftung Fernsehturm HAMBURG AUFWÄRTS. Mit der „anderen“ Seite wurde noch nicht gesprochen.

(1) http://www.stiftung-fernsehturm.de/

(2) https://www.abendblatt.de/hamburg/article212540321/Wiedereroeffnung-des-Hamburger-Fernsehturms-rueckt-naeher.html (Abruf vom 20.12.2017, Bezahlschranke)

Zuerst auf dem Blog www.erfolgmitanstand.de am 08.01.2018 veröffentlicht.

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