Mobilität

Mobilität Teil 2: Disruption sieht anders aus

Im Ideenblog vom 04.04.2017 (1) habe ich aus wettbewerbspolitischer Perspektive die zukünftige Mobilität versucht zu charakterisieren. Wenn man die Vorgänge und das Handeln der Entscheider in zwei wichtigen Branchen in den letzten Wochen Revue passieren lässt (der Poker um die Zukunft des Dieselmotors und um die „Zukunft“ von Airberlin), wird einem Angst und Bange um die visionären Fähigkeiten von Führungskräften. Natürlich: Auch mit nur inkrementellen Innovationen, also dem Verbessern des Bestehenden, kann man seine restliche Vertragslaufzeit als Entscheider überbrücken.

Doch dem Unternehmen und der Gesellschaft wäre mehr damit gedient, wenn Führungskräfte dahingehend Verantwortung übernehmen, indem sie Fortschritt nicht als eine „in die Zukunft verlängerte Vergangenheit“ (2) preisen. Verantwortung heißt hier: Diejenigen, die sich in ihrer Branche auskennen, müssen doch diejenigen sein, die – auch wenn es zu unbequemen Wahrheiten führen kann – die Zukunft ihrer Branche, ihres Kernproduktes und damit auch die Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft am Besten einschätzen können. Visionen können auch Szenarien sein; sie sind – insbesondere wenn sie die Zukunft betreffen – unsicher. Sie bieten aber Orientierung.

Von der Philosophie in die Praxis: Wir kaufen weniger CD’s, sondern streamen für den Preis einer CD den ganzen Monat Musik. Für einen Aufpreis von 9,99 EUR auf unser Prime-Abo bei Amazon können wir uns ohne Liefergebühr ein ganzes Jahr lang Lebensmittel liefern lassen (wenn wir in der richtigen Region wohnen). Bereits vor Jahrzehnten ist es im B2B-Geschäft zum Wandel von „kaufen und besitzen“ zu „nutzen und nutzungsabhängig zahlen“ gekommen. Kaum eine Airline besitzt noch die Triebwerke ihrer Flugzeuge, sondern zahlt pro Stunde Laufzeit eine Nutzungsgebühr an den Triebwerkhersteller, welche Anschaffungskosten und Wartungskosten ersetzt. Werften, die neue Kreuzfahrtschiffe bauen, kaufen keine Klimaanlagen mehr, sondern schreiben die Lieferung von X Kubikmeter kalter Luft pro Tag aus. Wie der Klimananlagenhersteller dies bewerkstelligt, bleibt ihm überlassen.

Und das denken wir jetzt einmal für B2C in Bezug auf Mobilität: Alle zukünftigen Anbieter mit einer Flotte autonom fahrender Fahrzeuge werden uns Mobilität von kostenlos bis teuer anbieten. Die Abrechnung erfolgt nach Kilometern, nach Zeit oder als Flatrate. Kostenlos heißt: Lange Fahrzeit durch den Zwang, Nebenstraßen zu nutzen und sich im Fahrzeug durch Werbung zu Shopping-Stops oder Online-Bestellungen animieren zu lassen. Teuer heißt: Autobahn linke Spur, grüne Welle und keine Belästigung durch Werbung. Wie das alles geht, steht hier: (3)

Und in der Luftfahrt? Pauschalpreise für den Transport von A nach B. Es interessiert nicht die Fluggesellschaft, sondern die Preisdifferenzierung findet über Servicepakete statt. Das Low-cost-Paket heißt: Eigene Anreise zum Flughafen in der Provinz, sehr wahrscheinlich Ryanair als Fluggesellschaft und keine Annehmlichkeiten. Das Business-Paket heißt: Abholung zu Hause zum nächsten Flughafen, Komfort an Bord und Transfer zum Zielort. Das Wesentliche ist aber: Diese Mobilitätsdienstleistung von A nach B bietet nicht eine Fluggesellschaft dem Endkunden an. Nein, wir buchen und bezahlen bei bspw. Google den Weg von zuhause zu unserem Geschäftskunden. Google kümmert sich dann darum, wer uns – gemäß unserer Zahlungsbereitschaft – transportiert und bucht entsprechende Kapazitäten bei den Airlines, den Taxiunternehmen, etc.

Wie diese Vision im Lebensmitteleinzelhandel aussehen könnte? Vielleicht an dieser Stellen später mehr dazu.

(1) Siehe in diesem Blog: Die Disruption schlägt zu – Bsp. Mobilität (04.04.2017),  https://geyertirol.wordpress.com/2017/04/04/die-disruption-schlaegt-zu-bsp-mobilitaet/

(2) Roman Bucheli, Die Welt darf getrost noch etwas unübersichtlicher werden. In: NZZ vom 12.09.2017, https://www.nzz.ch/meinung/ende-der-gemuetlichkeit-die-welt-darf-getrost-noch-etwas-unuebersichtlicher-werden-ld.1315287?mktcid=nled&mktcval=107_2017-9-11 (abgerufen am 12.09.2017)

(3) Sven Gabor Janszky, Trendanalyse 04/2016: Selbstfahrende Autos: Das Ende von Bahn, ÖPNV & Taxi?  http://www.trendforscher.eu/trendstudie/trendanalyse/detail/trendanalyse-selbstfahrende-autos-das-ende-von-bahn-oepnv-taxi/ (abgerufen am 12.09.2017)

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