Allgemein, Erfolg mit Anstand

Anspruchsgruppen-Lobbying: So geht Erfolg mit Anstand

Thesen zu den Umbrüchen im Wirtschaftsleben haben Hochkonjunktur. Einer der jüngsten Thesenanschläge (1) war aus folgendem Grund interessant: Als vorletzte These stand dort etwas zur Moral: „Und die Moral…? Die Wirtschaft muss sich der gültigen Moral unterwerfen. Auch wenn teurer, sind ethische Entscheidungen auf Dauer die besseren. Kein Unternehmen wird von moralischen Urteilen verschont bleiben. Social Media und Insider Berichte machen sichtbar, was früher verborgen blieb.“

In diesen fünf Sätzen stecken drei Erkenntnisse, die ein neues Verständnis von „Erfolg mit Anstand“ im Kontext mit den handelnden Anspruchsgruppen (2) auf den Punkt bringen:

  1. Nicht die Wirtschaft bestimmt, was sie darf, sondern die Gesellschaft bzw. die Anspruchsgruppen eines Unternehmens bestimmen die gültige Moral und erlauben es, unter bestimmten Regeln zu wirtschaften („License to operate“).

  2. Mindestens langfristig ist derjenige erfolgreicher, der anständig ist. Und zwar anständig gegenüber den legitimen Interessen der relevanten Anspruchsgruppen.

  3. Die Anspruchsgruppen, ob relevant oder mit legitimen Interessen ist dabei egal, haben die Kommunikationshoheit. Das Unternehmen hat nicht viel Zeit, um Behauptungen glaubwürdig richtig zu stellen oder fehlende Legitimation durch die Anspruchsgruppen anzuerkennen und Maßnahmen einzuleiten.

Letztendlich dreht sich alles um die Anspruchsgruppen oder Stakeholder. Die zentrale Rolle der Anspruchsgruppen bedeutet drei Herausforderungen für Führungskräfte:

  1. Es bedarf statt klassischen Lobbyings in Berlin und Brüssel mehr und mehr eines Dialogs mit den Anspruchsgruppen – manchmal zuerst eines Dialogs gegen Sprachlosigkeit. Selbstredend darf die Wirtschaft bei drohender und immer intensiverer Regulierung mitreden. Dabei sollte aber nicht vergessen werden, dass heute der legale Output des Gesetzgebers nicht mehr zwangsläufig legitim ist. Statt sich auf die Gesetze zu berufen (oder zu versuchen, diese nur im eigenen Erfolgssinne auszulegen), müssen ehrbare Unternehmen ihr Handeln an den Anspruchsgruppen ausrichten.

  2. Der Dialog ist eigentlich der zweite Schritt: Jede Organisation muss zunächst ihre relevanten Anspruchsgruppen identifizieren. Ein ressourcenintensiver, aber nicht mehr zu ignorierender Prozess. Nicht alle, die laut rufen, haben auch legitime Interessen. Die Themen des Unternehmens und die Auswirkungen auf das Umfeld, die sich aus dem Geschäftsmodell ergeben, sind der Hinweis darauf, mit welcher Priorisierung mit welchen Anspruchsgruppen in den Dialog getreten wird. Ja, Verantwortung ist teuer, sie zu ignorieren, ist langfristig noch teurer.

  3. Es muss Auskunftsfähigkeit hergestellt werden. Wer seine Anspruchsgruppen mit gut aussehendem, aber nicht in der Organisation verankertem Engagement zu beeindrucken versucht, ist im Ernstfall immer noch nicht glaubwürdig. Lieber zugeben, dass die Organisation erst am Anfang des Weges zur ehrbaren Organisation steht, als das Risiko eines ggfs. irreparablen Reputationsschadens in Kauf nehmen. Es ist heutzutage nicht mehr die Frage, ob, sondern nur noch wann man erwischt wird und ob man dann auskunftsfähig ist.

Wenn man den Thesen zu den Umbrüchen im Wirtschaftsleben noch eine weitere hinzufügen darf: Die Organisationführung muss Verantwortung leben und zulassen – und zwar zu jeder Zeit.

(1) (http://karrierenews.diepresse.com/home/karrieretrends/5257431/Zukunft_Elf-Thesen-zur-neuen-Wirtschaft?_vl_backlink=/home/karrieretrends/index.do (Zugriff am 27.07.2017)

(2) Man sollte lieber von Anspruchsgruppen sprechen, denn der Begriff „Stakeholder“ kreiert einen in Zeiten des Shared Values nicht mehr zeitgemäßen Gegensatz zwischen Share- und Stakeholdern (vgl. Porter/Kramer, 2011: Creating Shared Value (3)). Denn auch die Shareholder haben einen legitimen Anspruch an das Unternehmen, in welches sie investiert haben – sie sind ebenfalls Stakeholder (vgl. z.B. Gabler Wirtschaftslexikon (4)).

(3) http://hbr.org/2011/01/the-big-idea-creating-shared-value (Paid Content, Zugriff am 27.07.2017)

(4) http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/anspruchsgruppen.html (Zugriff am 27.07.2017)

Leicht angepasste Fassung aus dem Blog www.erfolgmitanstand.de, zuerst erschienen am 31.07.2017.

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